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Der Schneeberger Schnupftabakmann oder „dor Schnupperich“

Der Schneeberger Schnupftabakmann oder „dor Schnupperich“ ist eine geschnitzte Figur, die sich seit vielen Jahren in einer Nische an der Adler-Apotheke auf dem Markt wohl fühlt.
Er fühlt sich auch deshalb auf seinem Sockel so wohl, weil es hier ein ganz besonderes Pulver gab: Den Schneeberger Schnupftabak.
Dieses Pulver ist oft gepriesen worden, manches Mal auch kopiert, aber er blieb immer ein Schneeberger Original. So war auf alten Packungen des „Schneeberger Schnupftabak“ zu lesen:

„Dieses edle, gerecht und approbierte Schneeberger Haupt-, Hirn- und Flußpulver, des Tages etlichemal gebraucht als Schnupftabak, ist gut für den Schwindel, verzehret die Flüsse, stärket das Gedächtniß und führet viele Feuchtigkeit aus dem Haupt.“

Selbst ein Lied gab es für den Schneeberger Schnupftabak. Text und Musik schrieb dafür im Jahr 1966 Fritz Keller.

 

Doch, nicht jedem Zeitgenossen muss dieses Pulver zugetan gewesen sein, denn schon 1750 schreibt Johann Georg August Galetti, ein Gymnasialprofessor in Gotha: „Die Haupteinnahme von Schneeberg besteht im Schnupftabak. Er schwächt das Gedächtniß und bringt den verlorenen Schwindel wieder“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielleicht waren auch diese Worte der Anfang vom Ende eines Traditionsproduktes, über die Gunter Niehus in der  Lokalausgabe Aue der „Freien Presse“ am 20. Dezember 2012 schrieb:
 
   
   

In der Schneeberger Adler-Apotheke darf der traditionelle Schnupftabak nicht mehr hergestellt werden. Der Grund sind neue Vorschriften.

Alles steht und fällt mit dem weißen Nieswurz. Ohne Nieswurz, kein Schneeberger Schnupftabak - zumindest nicht das Original. Thomas Freudewald, Inhaber der Adler-Apotheke am Marktplatz, darf das Traditionsprodukt seit kurzem weder herstellen, noch verkaufen. Denn laut neuer Apothekenbetriebsordnung die in ganz Deutschland gilt, dürfen generell nur noch Ausgangsstoffe verwendet werden, deren ordnungsgemäße Qualität zertifiziert ist.
Das Problem ist nur: Zertifizierten Nieswurz gibt nirgends zu kaufen. „Ich habe lange gesucht, mit den zuständigen Ämtern gesprochen, alle Möglichkeiten ausgelotet“, sagt Thomas Freudewald. Sogar einen Umweg über das Lebensmittelrecht hatte er ins Auge gefasst. Ohne Erfolg.
Der Apotheker macht niemandem einen Vorwurf. „Der Grundgedanke der neuen Regelung ist es,
den Verbraucher zu schützen. Und das ist völlig richtig so.“ An den Schneeberger Schnupftabak hatte im Bundesgesundheitsministerium halt keiner gedacht, als die Betriebsordnung geändert wurde.
Das ändert jedoch nichts daran, dass der Apotheker über das Aus für sein Produkt äußerst traurig ist. Nicht, weil der Schnupftabak ein absoluter Verkaufsschlager gewesen wäre. Rund 200 Packungen gingen pro Jahr über den Tresen. „Aber es ist halt ein Stück Tradition, das jetzt gestorben ist.“
Als der gebürtige Schwarzenberger die Adler-Apotheke 2005 übernommen hatte, erhielt er auch das geheime Rezept. Für Thomas Freudewald war die Herstellung des Schneeberger Schnupftabaks - der trotz des Namens übrigens gar keinen Tabak enthält - lmmer etwas ganz Besonderes. Immerhin reicht die Geschichte des Pulvers mindestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Wahrscheinlich ist das Produkt sogar wesentlich älter.
Umso trauriger ist nun das Ende. Zwar kann man in anderen Geschäften nach wie vor Produkte mit dem Namen kaufen. Doch dieser Schnupftabak hat nichts mit dem Original aus der Adler-Apotheke zu tun. „Der Name ist nicht geschützt“, begründet dies Thomas Freudewald. „Nachdem ich die Adler-Apotheke gekauft hatte, wollte ich das zwar tun. Aber die Erfolgsaussichten waren nur äußerst gering. Deshalb habe ich es bleiben lassen.“
Dieser „rechtsfreie Raum“ würde theoretisch für Thomas Freudewald ein Hintertürchen öffnen. Da der Name „Schneeberger Schnupftabak“ nicht geschützt ist, ist es die Zutatenliste für das Genussmittel logischerweise auch nicht. Niemand könnte es dem Apotheker verbieten, den weißen Nieswurz einfach wegzulassen oder eine andere Zutat zu verwenden.
Doch das kommt für Freudewald auf keinen Fall infrage. „Es wäre nicht mehr das Original. Außerdem ist der Nieswurz eine ganz entscheidende Zutat. Das Niesen setzt dadurch nicht sofort ein, sondern erst allmählich nach ein paar Minuten. Das macht das Pulver sehr bekömmlich.“
Übrigens: Der Schnupperich darf trotzdem bleiben. Aus Traditionsgründen. Den original Schneeberger Schnupftabak kann sich das hölzerne Männchen an der Fassade der Adler-Apotheke aber nicht mehr in die Nase ziehen.